Diversity: Alle gleich. Alles gut?

von Peter Bienert 

Ab November bieten wir mit Kerstin Plehwe und Kerstin Pramberger als neuen und Diversity-erprobten Mitgliedern im erfolgreichen Königsschmieden-Team die wb Diversity Königsschmiede an. Was genau ist das und warum machen wir das?

Was ist eigentlich Diversity?

Diversity“ gehört in jenen Schlagwortkatalog, in dem eine besonders häufige Nutzung eines Begriffs leider häufig mit einer besonders seltenen Klärung des mit ihm verbundenen Inhalts korrespondiert. 

Was also hat Diversity, unserer Meinung nach, wirklich mit dem Erfolg von Organisationen und Gesellschaften zu tun? 

Während Diversity am besten mit „Vielfalt“ übersetzt wird, werfen viele zugleich noch gern „Unterschied“, „Ungleichheit“ und „Ungerechtigkeit“ mit in den Topf. 

Unterschiede beklagen und Ungleichheit ausräumen soll Ungerechtigkeiten generell beseitigen. In der Schule, im Berufsleben, im Idealbild der Gesellschaft sollen „Unterschiede“ zwischen Geschlechtern für den Umgang und die Lebensrealität der Menschen künftig keine Bedeutung mehr haben. Auch nicht Unterschiede, die sich aus verschiedenen kulturellen Gewohnheiten ergeben. Oder solche, die den Anlagen und Talenten, der persönlichen Erfahrung und Perspektive des Einzelnen entstammen. 

Was davon wollen wir wirklich? In einer wenig transparenten Gemengelage, die auf Werte und Emotionen mit Compliance und Regelsätzen reagiert, besteht schnell die Gefahr, dass aus Gleichberechtigung erst Gleichbehandlung, dann Gleichmacherei und schließlich Gleichverpflichtung entsteht. Aus dem Ziel Diversity wird schlimmstenfalls ein Korsett verordneter sprachlicher und faktischer Einheitlichkeit.

Unsere Gesellschaft, jedes Unternehmen lebt von Unterschied und Vielfalt. Weil wir als Einzelne unsere Welt nicht vollständig erkennen können, brauchen wir die Vielfalt der Talente und Perspektiven. Wir brauchen Diversity. Unser Überleben, unser Erfolg hängen davon ab, dass wir verschieden sind, dass wir Verschiedenheit zulassen und nutzen.

Genau darum geht es bei Diversity: Gelebte Diversity ist der unverhohlene Schutz der Unterschiede und der respektvolle Umgang mit diesen im alltäglichen Tun, jenseits erzwungener Sprachregelung und bemühter Verständniskultur. Ich muss nicht jedes Individuum allein deswegen mögen, fördern, ablehnen oder für benachteiligt halten, weil es zu dieser oder jener Gruppe gleichen Merkmals gehört. Ich muss aber jenseits meiner Freiheit auf persönliche Vorlieben und Abneigungen das Recht dieses Individuums schützen, sich gemäß seinen Talenten zu entfalten und respektvoll behandelt zu werden. Und zwar nicht in der warmen Kaffeeküche, nicht durch Applaus auf Facebook oder LinkedIn, sondern dort, wo es weh tut, in einer konkreten Situation, durch konkretes Verhalten, auch gegen Widerstand, ohne Wenn und Aber. 

Warum brauchen Unternehmen Diversity?

Diversity ist zu wichtig, um als Modebegriff oder als Plakatwand lautstarken Gutmenschentums missbraucht werden zu dürfen. Bei Diversity geht nicht darum, standardisierte Verhaltensmuster einzuführen oder Mitarbeitern das Betreten des Aufzugs zu verbieten, wenn sich darin ein Mitglied des anderen Geschlechts befindet. Es nutzt nichts, die gesamte Unternehmenskommunikation auf Gedeih und Verderb zu „gendern“, blumige Diversity Mission-Statements und Bilder mit Menschen aller Kontinente auf die Webseite zu setzen, eine(n) rollstuhlfahrende(n) transsexuelle(n) Dunkelhäutige(n) als Gleichstellungsbeauftrage(n) zu präsentieren und endlich eine Frau in den Vorstand zu berufen. 

Echte Diversity ist kein Katalog plakativer Werte, sie ist ein Verhalten. Echte Diversity beginnt bei Leadership. Sie ist das gelebte Bekenntnis des Führungsteams, Vielfalt statt Prozessvorgabe als Haupttreiber der Unternehmensentwicklung zu nutzen.

Diversity Leadership ist nicht der oder die stets freundliche Kumpel-Chef/in, ist nicht das Team, in dem zwar Männer und Frauen, Alt und Jung, Menschen aller Abstammung, Glaubensrichtungen und Orientierungen vertreten sind, aber am Ende doch alle bitte die Meinung der Chefin oder des Chefs haben sollen. Diversity Leadership ist weder nett, noch bequem, noch konfliktfrei. Echte Gleichberechtigung und Respekt, die Überwindung schädlicher Verhaltensmuster und stillschweigender Respektlosigkeit im Unternehmen fordert volles Führungsengagement, angefangen beim Leitbild einer Kultur von Vielfalt, die als Ziel dieser Anstrengung hergestellt werden soll. Eine solche Kultur nutzt die Verschiedenheit, umarmt die Unterschiede, fördert die Individualität der Charaktere und Talente. Sie setzt auf das Gegenteil von Gleichmacherei. Wenn andere Perspektiven einen Nutzen haben sollen, müssen sie verschiedenartig sein. 

Im Unternehmen beginnt daher Diversity mit einer Kultur, in der jeder angstfrei der Chefin oder dem Chef die Meinung sagen darf. Respektvoll übrigens und nicht mit dem Selbstbild des ewigen Revoluzzers oder Besserwissers oder Opfers. Diversity bedeutet, dass wir für unseren Kollegen aufstehen, wenn er oder sie gerade zum Bauernopfer gemacht wird. Diversity bedeutet, auch den zu hören, der eine Minderheitsmeinung vertritt oder den bequemen Anschluss an die Folklore verweigert. Diversity heißt, KollegInnen den Rücken zu stärken, wenn sie respektlos unter Druck geraten, auch und gerade dann, wenn diese Person NICHT unsere eigene Meinung vertritt. Diversity bedeutet, dass wir es wagen, das Unbequeme zu tun, weil es das Richtige ist, und nicht das Bequeme, weil es gerade dem Trend entspricht.

Was machen wir in der Diversity-Königsschmiede?

Wie bereits der Name sagt: Wenn es um tiefgreifende Verhaltensmuster und den stereotypen Umgang mit „typisch“ Mann und „typisch“ Frau geht, können wir uns die Realität nicht „zurechtbiegen“. Teams aus Führungskräften, die sich diesem Thema jenseits von Plakat und Megaphon stellen wollen, schmieden stattdessen ihre eigene, wirklich neue Führungskultur. 

In der wb Diversity-Königsschmiede bereiten wir durch erlebte Alternativen zu hinderlichen Verhaltensfolkloren in der Führung den Weg vom geplanten zum gelebten Kulturwandel. Jenseits von Simulation oder Planspiel machen wir den gewohnten Umgang mit Diversity in überraschenden Situationen und Settings erlebbar. Das braucht Kraft und Reibung und ist nicht immer angenehm. Aber es funktioniert gerade deshalb, weil es nicht an der Oberfläche stecken bleibt. 

Die Zielgruppe der wb Diversity-Königsschmiede sind Führungsteams, die Leistungsfähigkeit als das genutzte Potential von Vielfalt verstehen und wertvolle Lösungen für ihr Unternehmen und ihre Teams schaffen, weil sie die mit deren Entwicklung verbundenen Konflikte ohne Sozialromantik bewältigen können, jenseits von Standards, Papieren und Sprachregelungen. 

Themen der wb Diversity Königsschmiede:

  • Tradierte männliche und weibliche Verhaltensfolkloren im Unternehmen und persönlichen Führungsstil bewusst machen und persönlich erleben
  • Eingefahrene Denk- und Handlungsmuster aufbrechen
  • Neue Sichtweisen und Perspektiven einnehmen, einen wertschätzenden Blick auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten, das Yin und Yang der Organisation gewinnen
  • Hebung der Diversity-Potenziale im Unternehmen für Innovation und Erfolg
  • Authentisches Leadership: Persönlicher Führungsstil jenseits aller Rollenmuster, Gender-Grenzen und Verhaltensfolkloren
  • Werkzeuge und Handlungsstrategien zur Steigerung der Vielfalt bei Auswahl und Besetzung von Unternehmens-Teams 

Hier finden Sie weitere Informationen zur wb Diversity-Königsschmiede. Gerne stehe ich Ihnen auch persönlich für Anfragen zur Verfügung.